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18. Februar 2011 5 18 /02 /Februar /2011 13:14

Aktuelle Hinweise (Auswertiges Amt)

  • Am 17. Februar 2011 hat es erneut, vor allem im Osten des Landes, Demonstrationen gegen die Regierung gegeben, die durch Sicherheitskräfte gewaltsam beendet wurden. In den nächsten Tagen ist weiterhin mit Pro- und Anti-Regierungsdemonstrationen im ganzen Land zu rechnen.
    Aufgrund der nach wie vor undurchsichtigen Lage im Osten des Landes (Cyreneika) wird derzeit vor Reisen dorthin, insbesondere nach Benghasi, Al -Beyda und Darnah, abgeraten.
    Vor allem die Innenstädte sollten gemieden werden. Es wird zu erhöhter Vorsicht geraten. Reisenden wird empfohlen, die Lage aufmerksam zu beobachten und größere Menschenansammlungen zu meiden.

Erst einmal vielen Dank für all die besorgten Nachfragen um meine Sicherheit. Aus den Medien ist aktuell ja zu erfahren, dass auch hier in Libyen etwas Unruhe ins Land und die Bevölkerung gekommen ist. Insbesondere hier im Osten, der für die Regierung historisch gesehen so etwas wie das schwarze Schaf des Landes darstellt, wurden über Ereignisse mit Verletzten und sogar Tote berichtet. Obwohl diese Begebenheiten in Benghazi (ca. 280 km entfernt) und Al Baida (ca. 70 km entfernt für landesübliche Verhältnisse nicht allzu weit  weg stattgefunden haben, so ist hier in Dernah keine besondere unangenehme Stimmung in der Luft zu spüren.

 

OK, gestern Abend hat wieder einmal der Material-Container der benachbarten Baufirma in Flammen gestanden. Aber das scheint eher zu einer schlechten Gewohnheit geworden zu sein, seitdem vor einigen Wochen hier die ersten Versuche unternommen wurden, die noch nicht fertiggestellten Häuser rechtzeitig zu beziehen. Seither brennt es innerhalb des Neubaugebietes immer mal wieder und die dunklen Rauchwolken von brennendem Gummi und Plastik, die über der Stadt sich ziehen, sind in den Alltag übergegangen.

 

Man kann schon feststellen, dass die Kommunikation eingeschränkter ist, da man  momentan nicht aus Libyen raus telefonieren kann. Inkonsequenter Weise ist es allerdings möglich eine SMS zu schreiben und aus dem Ausland angerufen zu werden. Ebenfalls funktioniert der libysche Internetstick nicht mehr, aber über die Satellitenverbindung der Baufirma komm ich weiterhin ins Internet.

 

Stra-ensperre_1-klein.JPGPhysisch habe ich erst heute an einigen Stellen gewisse Veränderungen feststellen können, als ich mich auf 10 Kilometer an Al Baida genähert hatte, um einen Kollegen vom Flughafen in Al Abraq abzuholen. So gab es zwei Hindernis-Parcours auf der Straße. Der Parcours bestand aus Steinen bis zu 30 cm Höhe, die quer über die Straße drapiert waren und das in drei Reihen in einem Abstand von ca. 25 Meter. Diese Hürde war in einem Slalom auf der Straße leicht zu umfahren. In der Nacht stelle ich es mir allerdings unangenehm vor, wenn man auch nur eine Reihe übersieht und direkt in die Steine brettert. Da wäre der Verlust der Vorderachse noch das kleinste Problem. Die andere Barrikade war da schon massiver und bestand neben Steinen aus zwei noch rauchenden Autowracks plus extra Reifen. Um dieser Sperre zu umgehen, musste man dann doch schon die Straße verlassen. Unklar ist wer der Erbauer dieser Straßenblockaden war, denn zum einen bietet diese Hindernisse eine gute Kontrollpunkt-Möglichkeit, zum andern könnte es auch als Demonstration des Unmutes aufgefasst werden.

 

Noch deutlicher wurde mir bewusst, dass doch nicht alles ganz normal (mir ist schon klar, dass die Definition von „normal“ nicht ganz den deutschen Gepflogenheiten gleichkommt) hier ist, denn als  ich auf das Flughafengelände fahren wollte, war das Tor vom Militär versperrt und bewacht. Da ich, wie sich im Nachhinein rausstellte, der erste Gast an diesem Morgen war, sah das gesamte Flughafengelände vom International Airport La Abraq vollkommen verlassen aus,  bis auf die ca. 150 Soldaten, die dort anscheinend auch übernachtet hatten. Ich sah mich schon auf den Weg nach Benghazi, da ich vermutete, dass der Flug meines Kollegen bestimmt dorthin umgeleitet wurden war, aber nach vorzeigen meines Ausweises und meiner Erläuterung, dass ich als Fahrer jemanden Abholen wollte, wurde das Tor für mich geöffnet und ich durfte passieren.

 

Ich war dann allerdings auch einer der ersten und letzten, die das Tor überwinden durften, bis drei kurz nach mir folgende Fahrzeuge, mussten die restlichen Familien, die zum Abholen oder Bringen von Bekannten und Verwandten kamen, vor dem Flughafen Stellung beziehen. Es gab allerdings keine bedrohlichen Momente, auch wenn ich dazu aufgefordert wurde mit der Auto nicht in Sichtrichtung zu den Soldaten zu parken und die Landesverteidiger in ihren blauen Flecktarnanzügen alle mit ihren Maschinengewehren herumstolzierten. Für die vorherige oder zukünftige Auseinandersetzung hatten sie sich zusätzlich noch griffige Schlagstöcker aus Holz gebastelt, die mit ihren 50 bis 80 cm Länge sehr praktisch aussahen und mich ein bisschen an die Bewaffnung erinnerten, die ich mir überwiegen als Kind ausgesucht hatte, um im Wald imaginäre Gegner jeder Art zu besiegen.

 

Das Flugzeug landete wie immer etwas verspätet und der Rest der Abholprozedur ging auch reibungslos und ohne besondere Vorkommnisse vonstatten.

 

Wie sangen schon die Ärzte in ihrem Lied „Mit dem Schwert nach Polen“:

 

"Und in gebrochenen Deutsch schrieb er seinen Eltern: Macht euch keine Sorgen!"

 

 

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Kommentare

maw10 02/22/2011 11:11


@ Schwesterherz, ©-laus, Käthe, J-Web, Wattenbeker und Heinzer Gurki,
Vielen Dank für eure Anteilnahme. Ich bin wieder in den eigenen vier Wänden und bin (wie Hänschen klein) wohlgemut.
Ich bereite grade die Erlebnisse der vergangenen Tage auf und werde diese in Kürze hier veröffentlichen.
Viele Grüße
Marc


c-laus 02/21/2011 22:23


Hi Marc,
na, dann hast Du ja Deine Haut gerettet - Danke an J-Web - heute war ich ja schon mehr als nur ein klein wenig besorgt ...

und, ... wo steckste nun - ganz zuhause oder gondelst Du noch irgendwo in der Weltgeschichte rum?

GLG - ©-laus


J-Web 02/21/2011 21:15


Hab grad von Deiner Schwester gehört, dass Du heil rausgekommen bist! Welcome home! Lass mal von Dir hören...


Maw 10 02/22/2011 11:03



Danke schön und das mach ich ;-)



Heinzer Gurki 02/21/2011 19:44


Gurki...was los...
Oh man, pass bloß auf dich auf da unten...
Und gib Infos wenn wir dich da raus holen sollen...Oder dir den rosa anzug von Tiffanys schicken sollen
Gruß Melli und Heinzer/Gurki


Maw 10 02/22/2011 10:55



Der Tiffanys-Anzug wäre prima, aber bitte auch mit dem passenden blutverschmierten Hemd, das etwas speckig ist am Kragen.


Viele Grüße zurück



Wattenbeker 02/21/2011 10:06


Kann mich J-Web nur anschließen.


Maw 10 02/22/2011 11:07



Danke schön, Captain Gut. Grüß mir deine Frau und meine Kin... (ne der Witz ist echt zu alt). Also schöne Grüße an deine Familie



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