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28. Oktober 2010 4 28 /10 /Oktober /2010 17:30

Während des Besuches meiner Familie erhielten wir eine Einladung zu einer Libyschen Hochzeit und haben schon alleine aus Neugier zugesagt.

Aus der Erfahrung ist bekannt, wenn zwei Personen von demselben Ereignis berichten, gibt es häufig auch unterschiedliche Geschichten aus zwei Perspektiven. Bei einer Libyschen Hochzeit wird dieser Effekt noch verstärkt durch den Umstand, dass Männer und Frauen getrennt feiern.

 

Die Hochzeitsfeier für Frauen

 

Die Frauen feiern mit den Kindern zusammen und werden gut verschleiert vor der Tür des von außen nicht einsehbaren Festtagssaales gefahren, um dann schnell im Gebäude zu verschwinden.  In unserem Fall war der Abwurf der Frauen ab 17:30 Uhr vorgesehen. Da wir diese Prozedur allerdings nicht kannten, als wir pünktlich vor dem genannten Gebäude standen, beschlossen wir uns die Situation noch etwas aus dem Auto zu beobachten. Wahrscheinlich war in diesem Moment die Festhalle schon gerammelt voll, aber wir entschieden uns „gemeinsam“ aufzuschlagen und fuhren noch in der Gegend herum, da die Herrenparty für 19:00 Uhr angesetzt war.

Gesagt, getan. Gegen 19:00 Uhr betrat meine Familie die heilige Halle und fand die weibliche Hochzeitsgesellschaft. Diese hatten nach passieren der Eingangstür sofort die Schleier und schwarzen Hüllen abgelegt und präsentierten sich in bunten Gewändern und Kleidern in allen Variationen. Ein prächtiges Farbenmeer mit für europäische Verhältnisse etwas überschminkten Gesichtern.

Alle waren bester Laune und die Musik bis zum Anschlag aufgedreht. Dazu wurde dann nur auf der Bühne, die  am Kopfende des Saals aufgebaut war, getanzt. Entweder man ging freiwillig nach vorne und präsentierte seine Tanzkünste  den rund 150 Frauen und Kindern oder man wurde– so wie Ena – auf die Bühne gedrängelt. Das kam im Laufe des Abends dann auch Drei mal vor J, sowohl von der Schwägerin, als auch von der rüstigen Schwieger-Mama oder Schwieger-Oma der Braut.

   

DSC01746.JPG

 

Zwischendurch wurde noch Essen serviert in Form von Reis verfeinert mit Rosinen und Nüssen, sowie großen Stücken Rinderfleisch, die auf dem Reis drapiert warteten. Mit Hack gefüllte Teigtaschen und mit Hühnerfleisch gefüllte Burrito umrahmten dann dieses Hauptgericht. Zudem gab es eine helle scharfe Kaltbrühe etwas Gemüsesalat mit einem Knoblaudip. Alles in allem sehr lecker und mit einer Dose Cola oder Brause sowie ein paar Früchten abgerundet.

 

 

Höhepunkt war der Einmasch der Braut, die erst gegen Ende der Veranstaltung zur Gesellschaft stieß. Sie kam mit dem aus Film und Fernsehen sehr bekannten Brautlied  (da da dada, da da dada…. Ihr wisst schon was ich meine) in den Saal. Die vertrauten Klänge wurden allerdings etwas aufgepeppt in dem einige wahrscheinlich Gebetpsalme oder Gebetswörter eingearbeitet wurden. Etwas bizarr, wenn man es nicht gewohnt ist. Die Braut durchquerte den Saal mit einer Gruppe kleiner Mädchen, die im Fee-/Engelskostüm inklusive Flügel voranschritten und hinter Ihr folgt eine weitere Gruppe von Frauen in einheitlichen libyschen Trachtgewändern. Auf der Bühne wurde ein gemütlicher Plastikstuhl bereit gestellt, auf dem die Braut Platz nahm und sich beglückwünschen ließ.

 Kurze Zeit später kündigte sich das Nähern des Bräutigams an, indem innerhalb von kürzester Zeit die Hochzeitsgesellschaft wie auf ein geheimes Zeichen, dass man nicht bemerkt hat, in ihren schwarzen Gewänder und Schleier schlüpfte. Mit dem Bräutigam, der mit  der Braut nahezu umgehend den Saal verließ, nahm die Veranstaltung dann ein eher abruptes Ende (gegen 22 Uhr), da ja schon alle umgezogen waren. Selbst die mehrstöckige Hochzeitstorte, die zeitgleich mit dem Bräutigam eintraf, wurde kaum beachtet und die Gäste verschwanden in alle Windrichtungen (nur nicht nach Norden, denn da war ja das Mittelmeer). Sehr schade um die Torte.

Bananen, die meine Familie nicht aufgegessen hatte, wurden dann noch in einem kunstvollen Karton verpackt und mitgegeben. Sehr aufmerksam. Meine Familie hatte sehr viel Spaß, war aber froh einem Hörsturz knapp entgangen zu sein, da die Musiklautstärke den ganzen Abend am äußersten Limit der Boxen eingestellt war. Man konnte nicht die geringste Konversation betreiben, ohne aus voller Kraft dem Gegenüber aus 10 cm Entfernung ins Ohr zu brüllen. Herrlich. So müssen Discos und Feten sein ;-).

 

Die Hochzeit der Männer

 

Die habe ich dann besucht und die war fast genauso. Sie fängt allerdings erst wie erwähnt gegen 19:00 Uhr offiziell an. Zu diesem Zeitpunkt haben pünktliche Gäste der Damen Seite schon einen Tinitus, aber keinen Intus.

Man(n) trifft sich auf der andern Seite des Gebäudes, bei dem alle Fenster offen standen. Als ich ankam waren die meisten Herren schon im Saal, der mit Teppich und flachen Sitzpolstern ausgestattet war. Da Sie beteten, entschied ich mich dafür erst einmal draußen zu warten. Ich traf noch einen Arbeitskollegen und wir warteten, bis eine halbe Stunde später zum Essen gebeten wurde. Wir gingen rein und erhielten ebenfalls das Mahl, das bei den Damen schon beschrieben und serviert wurde. Dann saß man  ein wenig auf dem Boden rum und unterhielt sich, sofern es was zu erzählen gab, die einzige Musik, die gelegentlich erklang, wurde von klingelnden Handys gespendet. Als Höhepunkt ist dann wohl das Eintreffen des Bräutigams zu sehen, der von einem hupenden und Warnlicht-blinkenden Autokorso begleitet vorgefahren kam. Beim Eintreten nahm er alle Glückwünsche entgegen und setzte sich ebenfalls auf einen Plastikstuhl am Kopfende des Saales, um etwas zu Essen. Nachdem Essen verließ er auch schon den Saal, um sich auf den Weg zu machen, seine Braut einzusammeln und zu Ihrer Party zu bringen. Nachdem er gegangen war löste sich die männliche Gesellschaft umgehend auf, sodass nach einer Stunde die Feierlichkeiten abgeschlossen waren.

 

 

Ohne auch nur ansatzweise die Vielfalt der Lebensweise der Frauen in Libyen zu kennen, empfinde ich die Hochzeitfeier als eine der wenigen Gelegenheiten, die mir bekannt geworden ist, bei denen ich eher eine Frau als ein Mann in diesem Land sein würde.  ;-)

 

Aber so etwas ist ja eine Frage des Geschmacks über den man diskutieren, aber nicht streiten kann.

 

Fi di ral la la, fi di ral la la, fi di ral la la la  laaaaaaaaaaaa

 

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Kommentare

frederik 11/08/2010 20:52


echt interessant zu lesen, wie unterschiedlich die kulturen untereinander sind!!

danke für deinen interessanten beitrag..

liebe grüße

frederik


Maw 10 11/09/2010 07:39



Gern geschehen.


Ich freue mich über jeden Leser, der auf meinem Blog etwas sinteressantes für sich finden kann und über Wiederholungstäter ;-)


viele Grüße zurück


marc


 



hier möchte ich unerkannt bleiben 10/28/2010 23:21


Außer dem Bild der Essenschale wäre ich sehr an einem Bild der Braut, des Bräutigams bzw. der Hochzeitsgesellschaftgewesen interessiert gewesen. Einesolche Aufnahme hätte aber wohl eine Hand oder
gar einen Arm gekostet.


Maw 10 10/29/2010 20:58



Genauso und nicht anders habe ich das auch empfunden und auch nur dieses Bild vom essen gemacht. Bei den Herren kann man sich das in etwa wie eine Gemeinderatssitzung ohne Anzugspflicht, Stühle
und Tische vorstellen. Also recht unspektakulär.


Bei den Damen ist das natürlich etwas anderes, aber da ich weder auf meine Hand, meinen Arm oder andere meiner Gliedmaßen verzichten möchte, riskiere ich hier keine Veröffentlichungen, aber es
steht jedem natürlich frei mit uns die Familienurlaubsbilder zu beäugen und eventuell zufällig ein paar Schappschüsse zu bestaunen ;-)



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