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Kurze Erlebnisberichte über meinen Aufenthalt in Libyen und jetzt auch Albanien

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Alles beim Alten

Da bin ich noch keinen Tag im Land und schon habe ich das Bedürfnis mich mitzuteilen.

 

Ich sage nur Flughafen-Logistik und der Umgang mit Selbiger.

 

Frisch gelandet in Tripolis ging es wie gewohnt zu der Reihe von Zehn Schaltern, an dem die Pässe kontrolliert werden. Wie gewohnt waren die Schalter nicht dem Ansturm entsprechend besetzt und die Passagiere von zwei gleichzeitig gelandeten Flügen wurden auf die vier mit Personal bestückten Schalter verteilt. Die zwei Schalter-Beamten, bei denen meine Schlange endete, waren bestimmt sehr fleißig, aber es überkam einem doch das Gefühl einer gewissen Stagnation der anstehenden Menschenmenge. Wahrscheinlich selber etwas irritiert von der Flut an Passbesitzern, kam es zu einem strategischen Schachzug der beiden Beamten. In bester Zechpreller-Manier ging erst der eine mal irgendwohin und kurz darauf folgte ihm auch sein Kollege.

 

Als das Sicherheitspersonal nach ca. 20 Minuten bemerkte, dass Unzufriedenheit in meiner Warteschlange aufzukeimen drohte, wurde die gesamte Menschenlawine dazu aufgefordert sich parallel an einen der verbliebenen drei Schalter zu stellen.

Dies wiederum führte zu Unmut bei einigen Wartenden, in der schon ebenfalls länger stehenden Schlange. Zwei Herren schaukelten sich soweit in Rage, dass berüchtigten Disco-Streitparolen fauchend um sich geschmissen wurden wie „Wir sehen uns draußen“ und „Ich warte draußen auf Dich“. Fehlte eigentlich nur noch „Was guckst du?“, „ Pass bloß auf, dass deine Zahnbürste morgen nicht ins Leere greift“ und „Noch so ein Ding, Augenring“. Das blieb uns allerdings erspart und die Umgebenden konnten auch beruhigend auf die Streithähne einwirken, bis auch sie einsahen, dass wir eh alle nicht die Lage entscheidend verändern konnten.

 

Ich konnte den Stress durchaus verstehen, denn nach über 2 Stunden Warten ist bestimmt dem ein oder anderen die Anschlussmöglichkeit vermasselt worden. Mit meinen 5 Stunden Luft zum Weiterflug nach Benghazi, konnte da relativ gelassen mein Buch lesen und in Ruhe zuschauen wie Wut, Verzweiflung und Ohnmacht auch ohne sie verbal zu äußern die Gesichter der Menschen verzerren kann.

 

Nach einigen Privilegierten,  ich schätze mal Verwandten der Ordnungskräfte, die uns noch vor die Nase gesetzt wurden, und ca. 2 ½ Stunden war mein Pass dann auch schon registriert. Frage mich allerdings was die anderen vor mir alles falsch gemacht hatten, denn mein Check hatte ganze 40 Sekunden gedauert.

 

Gut, nun also nur noch das Gepäck schnappen, denn das hatte ja etwas Vorsprung bekommen und sollte wohl schon parat stehen und dann los. Aber Pustekuchen. Als ich die Treppen der Passkontrolle herunterkam lagen nur wenige Gepäckstücke auf dem Transportband über dem ein Schild hing, auf dem abwechselnd Frankfurt und das libysche Synonym dafür aufblinkten. Aber ich konnte meinen Koffer nicht ausmachen.

 

Kofferstau 01 kleinNach einer Weile des Koffer-Karussell-Beobachtens verkeilten sich im Ausgangsbereich, wo das nicht aufgesammelte Gepäck normalerweise wieder hinter der Wand verschwindet, einige Koffer. Der zuständige Gepäck-Chef hatte aber nur eine bedingt schnelle Auffassungsgabe und so staute sich Koffer um Koffer auf und die Gepäckstücke fingen an zu beiden Seiten vom Fließband zu purzeln. Als es dann doch dem Gepäck-Chef auffiel, sprang er auf die Lucke zu und brüllte wiederholend zu seinen Kollegen hinter der Wand, dass verfluchte Transportband zu stoppen. Ähnlich flexible wie er selber reagierten die unsichtbaren Kollegen ca. 5 Minuten später. Etwas überfordert begann der Gepäck-Chef also den Stau aufzulösen indem er das Gepäck in alle Richtungen vom Band warf und trat bis der Gepäckfluss wieder hergestellt war. In diesem Moment kam dann auch das Band wieder zum Stehen. Zufrieden mit diesem Erfolg verließ er den Ort des Geschehens und ließ das rumliegende Gepäck unberührt. Dies stelle nun ein kleines Problem dar. Der eine Teil der Koffer war zwar zu den wartenden Fluggästen gedrängt worden, aber ebenfalls ein nicht unerheblicher Teil lag zwischen den Transportbänder und war nicht mehr zugänglich.

 

Als sich nach weiteren 10 Minuten keiner vom Flughafenpersonal mehr blicken ließ, beschloss ich dann meine ausreichend vorhandene Zeit sinnvoll zu nutzen und schwang mich zwischen die Transportbänder, um die Koffer wieder aufs Band zu hieven, natürlich auch in der Hoffnung meinen eigenen unter dem Berg zu entdecken.

 

Nachdem ich alle wieder aufs Band befördert hatte, kam jemand vorbei und fragte, ob ich aus Frankfurt gekommen wäre. Als ich dies Bejahte, zeigte er auf ein etwas abseits gelegenes, kleines nicht in Betrieb stehendes Transportband und meinte, dass er dort seinen Koffer ebenfalls in einem Kofferstau im Ausgangsbereich gefunden hatte. Um aus den für mich falschen Transportbänder wieder rauszukommen, machte ich dann das, was ich schon immer mal machen wollte und ignorierte das Verbotsschild zum mitfahren auf dem Transportband und tatsächlich da war mein Koffer auf der abgelegenen Parkposition.

 

Zufrieden und mit genügen Zeit im Gepäck bereitete ich mich nun auf den Weiterflug nach Benghazi vor. Wie vereinbart erhielt ich von einem Kollegen mein Flugticket für Benghazi und konnte mich gegen 19:00 in die Reihe der übrigen Fluggäste für den Check-In einreihen. Hierzu begab ich mich in die Inlandsflugabteilung des Flughafens von Tripoli.

 

Durch einen besonders hohen Besucherandrang wurde auch hier wieder gewahr, dass es durchaus besser gelöste Zu- und Ausgangsmöglichkeiten eines Flughafens gibt, als die, die hier gewählt wurden.

 

Sobald man sich sein Ticket besorgt hat und glaubt, dass der eigene Flug zum Check-In bereit ist (die wenigen Durchsagen versteht man eh nicht), begibt man sich zu dem Aufgang zum Ersten Stock. Dieser besteht aus einer rauf und einer runter führenden Rolltreppe, zwischen denen sich eine ca. 6 Meter breite Steintreppe befindet. All diese Werkzeuge zur Überwindung von Höhenunterschieden enden bzw. beginnen seitlich am Anfang eines Vor-/Warteflures, der ca. 6 Meter breit und 15 Meter lang ist. Das Ende dieses Flures ist durch ein Aluminium-Ständerwerk mit verspiegelten Glasscheiben versperrt, das zwei Türen besitzt, die größentechnisch den üblichen Wohnungstüren entsprechen. Die rechte Tür ist für den Strom der abfliegenden Reisenden und die linke Tür für die ankommenden Reisenden gedacht. Ebenfalls genutzt wird die linke Tür für alle abfliegenden Reisenden, die wichtiger sind oder bessere Beziehungen haben als man selbst oder sonst irgendwelche Reize und oder gute Argumente besitzt, die ich jedenfalls nicht besitze.

 

Hinter der Glasfront befindet sich ein einziger flughafenüblicher Metalldetektor zum Durchgehen (der Nackt-Scanner ist hier noch nicht angesagt) mit dem alle Fluggäste für libysche Verhältnisse mittlerer weile sehr gründlich kontrolliert werden. Damit es kein größeres Gedränge vor dem Metalldetektor gibt, dient somit die Glasfront als Abfangschutz und die Reisenden werden nur in Stoßen durchgelassen. Das mag ja auch bei einem einzelnen Flug einigermaßen gesittet funktionieren, aber wenn drei Flüge nahezu zeitgleich abgefertigt werden, entsteht da ein enormes Platzproblem vor der Glasfront. Hinzu kommt der Pressdruck, der stärker wird, wenn man sich der rechten Zugangstür nähert. Menschenkörper aller Nationen pressen sich wie Sardinen in der Dose zusammen. Man hat das Gefühl, dass man die Beine anheben kann ohne dabei umzufallen. Sollte man dann nicht das Glück besitzen mittig auf die Tür zugestoßen zu werden, stellen auch die Kanten des Aluminium-Türrahmens einen unangenehmen Reibungspunkt dar.

 

Der Höhepunkt der Presswurst-Attacke entstand durch das Ankommen eines Fluges, dessen Reisenden aus der linken Tür strömten und für die ein Korridor geschaffen werden musste. Zum Glück hatte ich mich über Weihnachten etwas gemästet, so dass ich genügend Körpermasse besaß, um dagegen zuhalte, um nicht zerquetscht zu werden. Übler Weise schossen mir die Bilder und Konsequenzen der letzten Love-Parade in den Kopf, die ich aber wieder verdrängte nachdem ich durch die Tür gelangt war.

 

Entschuldigend würde die Flughafenleitung auf Anfrage zu diesem Engpass bestimmt erklären, dass es sich um eine Not- und Übergangslösung handelt, da früher die Inlandsflüge in einem separaten Gebäude abgehandelt wurden. Aber zum Einen habe ich das Gebäude nie kennen gelernt und weiß nicht, ob es dort besser gehandhabt wurde und zum Andern ist es jetzt auch schon über 2 Jahre her, dass das alte Gebäude abgerissen wurde. Auch hier gilt wohl, kommt Zeit, kommt Rat oder nichts hält so lange wie ein Provisorium.

 

Ohne weitere Schmerzen gelangt ich indes in das Flugzeug, dass bis auf den letzten Platz besetzt war. Ich saß am Gang und der Herr auf dem Mittelsitz beharrte darauf die Armlehnen zu beiden Seiten deutlich zu überschreiten. Dies zwängte mich in eine etwas unbequeme Sitzposition  (Loriot lässt grüßen) und den Versuch diese in Richtung Mittelgang zu verbessern, gab ich nach kurzer Zeit auf, da die Stuarts anscheinend einen Pendellauf im Flieger veranstalteten und jedes Mal meine Schulter rammten, wenn sie mich passierten. Ein Entschuldigung erwartete und bekam ich auch nicht. Geht halt etwas deftiger in libyschen Inlandsflügen zu. Nix für Weicheier.

 

Als alle Platz genommen hatten, setzte sich der Flieger in Bewegung und fuhr über die Rollbahn und fuhr und fuhr und fuhr. Nach ca. 15 Minuten herumkurven, wollte ich nicht ausschließen, dass wir eventuell auch nach Benghazi gefahren werden, aber da gab der Pilot auch schon bekannt, dass irgendwelche Kontrolllampen nicht funktionieren, wir zu unser Parkposition zurückfahren werden und das Problem noch vor Ort geprüft werden muss. Hmm.. Solche Aussagen können einen schon bei deutschen Inlandsflügen beunruhigen und ich kenne einige, die an dieser Stelle das Flugzeug verlassen hätten und das nicht ganz zu unrecht. Ich hingegen freute mich ja noch auf die anschließende 3 Stündige Autofahrt nach Dernah und beschloss auch die darauffolgende einstündige Wartungspause mit allen Anderen im Flugzeug zu verbringen.

 

Etwas anstrengend waren während des Wartens die Scharen von übermüdeten Kleinkindern, die abwechselnd schrien. Aber da darf ich die Klappe nicht zu weit aufreißen, den mein Sohnemann hatte seiner Zeit den kompletten Flug von Hamburg nach Mallorca durch geschrien, ohne dass er sich beruhigen ließ. Ich bin heute noch froh, dass ich nicht mit dabei war und verneige mich ehrfürchtig vor zwei starken Frauen.

 

Wesentlich mehr gingen mir meine beiden Sitznachbarn auf die Nerven. Ich konnte nicht einschätzen, ob deren Nervositäten bei jedem Flug oder nur aufgrund der Reparaturverspätung bei diesem Flug so stark ausgeprägt waren, aber der Elenbogenmann zu meiner Linken lass erst die Gebete aus dem Bordheft laut vor sich hin und betete anschließend ebenfalls laut den gesamten Flug über seinen Rosenkranz ab. Der Herr auf der zu meiner Rechten durch den Gang von mir getrennt war, bekämpfte sein Unwohlsein mit einem kontinuierlichen Wippen des Beines in verschiedenen Geschwindigkeiten und einem daraus resultierenden Klopfgeräusch seiner Hacke. Gerne hätte ich dem einen eine Hand aufs Bein und dem Anderen eine Hand auf den Mund gelegt, um sie zu beruhigen und still zu kriegen, aber so viel Mut hatte ich dann wiederum auch nicht.

 

Zum Glück war der Flug nur etwas länger als eine Stunde und ich stieg gegen 22:30 Uhr in mein letztes Reisegefährt (ein Auto mit Fahrer) um und gegen 3:00 Uhr lag ich dann auch schon im Bett.

 

Und die Moral von der Geschichte:

 

Man kann noch so lange im Urlaub bleiben, wenn man zurück nach Libyen kommt ist alles beim Alten.

 

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