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Kurze Erlebnisberichte über meinen Aufenthalt in Libyen und jetzt auch Albanien

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Lage der Nation II

Ich hoffe ihr habt etwas Zeit zum Lesen mitgebracht, denn es könnte etwas länger dauern. Die Namen, insbesondere von libyschen Kollegen die ich verwende, sind geändert, denn man weiß ja nie, wer dies hier liest und ich will keinen in Schwierigkeiten bringen.

{Sollte ein Leser empfinden, dass ich im Folgenden zu humoristisch mit der aktuellen Realität in Libyen umgehe, bitte ich zu bedenken, dass Menschen unterschiedlich Erlebtes verarbeiten}

Ups! Da hab ich wohl etwas zu früh grünes Licht gegeben als ich im Bericht „Lage der Nation“ noch eine ruhige Situation in Dernah beschrieb.  Nachdem ich diesen Bericht gesendet hatte, packten Thore und ich die Rechner ein und machten uns auf dem Weg vom Baucamp in unsere Unterkunft 1805 die ca. 1 km entfernt lag. Als wir aus dem Baucamp rausfuhren sahen wir eine größere Anzahl von Leuten an dem kleinen allein stehenden Shop, der genau vor dem Camp-Eingang monopolistisch ideal erbaut wurde. Wir gingen davon aus, dass die Gruppe sich getroffen hatte, um an diesem arbeitsfreien Freitag mit einem Bus in die Innenstadt von Dernah zu fahren und deshalb erregte die Zusammenkunft bei uns kein Aufsehen. Keine halbe Stunde später, sollten wir aber durch unsere Kollegen, die im Baucamp ihre Unterkünfte hatten eines Besseren belehrt werden. Die folgenden Schilderungen aus dem  Camp basieren auf den Ereignissen die meinen Kollegen erlebten haben.

Die Evakuierung

Als im Camp bekannt wurde, dass an diesem Abend eventuell etwas passieren wird, wurde mit der Evakuierung der Bewohner begonnen. Unsere Firma hatte zu dem Zeitpunkt noch vier Mitarbeiter in der Umzäunung der Camp-Anlage, die auf die Räumung des Camps eher zufällig gestoßen waren und sofort begannen das Notdürftigste einzupacken und sich ebenfalls wie alle übrigen auf den Weg zum Hauptplatz machten. Dort waren zum einen schon das Gros der Mitarbeiter der Baufirma angekommen und zum anderen die Parkplätze, auf dem auch ein Fahrzeug von uns bereit stand.

Skizze-Baukamp_2.jpgAls unsere Kollegen grade dabei waren ihr Gepäck ins Auto zu legen und einzusteigen, sprang ein Unbekannter auf den Fahrersitz und zwang Albert mit einem Messer, indem er vor ihm rumfuchtelnd und in seine Richtung stach, das Auto zu verlassen. Da Albert verständlicher Weise keinen Diskussionsbedarf in diesem Moment empfand, stieg er aus und der Fremde verschwand sowohl mit dem Auto, als auch mit dem Gepäck, das schon ins Auto verstaut war. Schönen Dank auch. Unsere Kollegen gesellten sich daraufhin zu der Menge von abfahrbereiten Bauarbeitern, als die wirkliche Übernahme begann, die augenscheinlich durchaus nicht ungeplant durchgeführt wurde.

Zuerst hatten sich mehrere Libyer, die als Fahrer bei der Baufirma arbeiteten und somit einen Ausweis fürs Tor und der damit verbundenen Zutritts-Berechtigung besaßen, unter die wartende Menschenansammlung am Hauptplatz gemischt. Dann ließ einer eine Metallstange aus seinem Ärmel gleiten und fing an auf die Scheibe eines Autos einzuschlagen. Dies war das Zeichen für seine Kollegen, die daraufhin sich Masken über ihre Gesichter zogen und dann ebenfalls Ihre bis dahin versteckte Bewaffnung in Form von Stangen, Gewehren, Handfeuerwaffen und ähnlichen einsatzbereit machten. Zeitgleich fuhren mehrere Autos vor den Haupteingang des Camps und blockierten so den einzigen Ausweg. Noch mehr Autos wurden mit Stöckern und Stangen bearbeitet und der Lärm ließ die verschreckte Menge vom Hauptplatz bergab zurück zu den Unterkünften drängen. Als dann die ersten Luftschüsse fielen, flohen die eingeschüchterten Mitarbeiter ans untere Ende des Baucamps wo sie vor der Umzäunung aufgehalten wurden und abwarteten.

Eine Weile geschah erst einmal nichts und Albert, der alles mit dem gestohlenen Auto verloren hatte, besorgte sich in Begleitung von einem Camp-Sicherheitsbeamten aus seiner Unterkunft eine zweite Notausstattung. Noch während er sich Sachen einpackte, machte sich seine Begleitung aus dem Staub. Als dann Albert aus dem Gebäude kam und die abwartenden Besatzer ihn vom Hauptplatz aus erblickten, wurden sofort Warnschüsse abgefeuert, die Albert natürlich zum Anlass nahm sich zurück zu den übrigen Wartenden der Baufirma zu begeben.

Nachdem die Raubritter genügend Verstärkung aus der Umgebung erhalten hatte, die in Form von vollgestopften Autos den Berg hinauf gekarrt wurden, begann die zweite Phase der unfreundlichen Übernahme. Diese bestand aus Plündern und Rauben. Sollte es politische Motive für diese Aktion gegeben haben, so wurden selbige durch eine lupenreine Bereicherungsgier und Vandalismus in den Hintergrund gedrängt. Die Gebäude wurden Stück für Stück, Zimmer für Zimmer aufgebrochen. Wenn die Türen nicht eingetreten werden konnten, so gingen die Fenster zu Bruch. Alles was irgendwie brauchbar erschien wurde autoladungsweise Abtransportiert. Mit jedem Fahrzeug, das vollbeladen abfuhr, wurden im Gegenzug neue Sympathisanten zum Camp gefahren. Der Andrang von neuen Freiwillige, entbehrte nicht einem gewissen Volksfest Charakter. Ebenso wurden alle Baufahrzeuge, ob Auto, Bagger oder Transporter in Beschlag genommen und weggefahren. Da werden sich in nächster Zeit bestimmt eine ganze Menge lokaler Baufirmen neu gründen und der Rest freut sich über einen neuen Bagger in der Garage.

Derweilen rieten unsere Kollegen im Camp davon ab, den Versuch zu starten Sie mit Fahrzeugen abzuholen, da die Gefahr zu groß war, dass man einfach aus dem Auto gezerrt wird und im besten Fall dieses ohne Personenschaden gestohlen würde. Hilfsbereiter Weise bot sich einer unserer Libyschen Mitarbeiter Armin an, zusammen mit einem einheimischen Freund von der Straße aus die ca. 500 Meter lange Auffahrt zu Fuß zum Camp hoch zu gehen, da sie als Libyer nicht auffielen, um dann zu sehen was man machen kann. So setzte ich die Beiden am Fuße des Camps ab und begab mich selber wieder in die sicherere Umgebung meiner Unterkunft, um auf Abruf eventuelle Freigänger einzusammeln.

Als unsere libyscher Rettungstrupp am unteren Ende des Camps ankam, endeckten sie zeitgleich mit den bis dato eingeschlossenen vier Kollegen aus Österreich und Ghana ein Loch im Zaun, das als neue Eingangspassage für die herbeiströmenden, hilfsbereiten Plünderer diente. Als die Eingesperrten den Rettungstrupp beim Einstieg bemerkten, gesellten sie sich zu ihnen und entschieden den Abstieg zur Straße zu wagen. Mit den wenigen Habseligkeiten, die gerettet werden konnten ging es dann zu Fuß los. Glücklicher Weise kannten unsere Libyer einen der Taxifahrer, der unbeladen auf den Weg nach unten war, um wahrscheinlich mehr Unterstützer für die Camp-Demontage zu besorgen, und konnten ihn überzeugen so viele wie möglich zu unserem Wohncamp 1805 zu fahren. Mir blieben dann noch zwei Fußgänger übrig, die ich wie abgesprochen am Fuße des Berges an der Straße einsammelte.

Als wir alle zusammen im Camp 1805 eingetroffen waren, berieten wir über die Situation und nahmen gerne das Angebot von Armin war, die Nacht in dem Haus seiner Familie zu verbringen. Da die Ausschreitungen sich nicht gegen Einheimische richteten, war uns wohl mit dem Gedanken in einem privaten Libyschen Haus unterzukommen. Gesagt getan und so fuhren wir mit zwei Fahrzeugen über Schlängelwege durch die Stadt Dernah, um nicht mit unseren Fahrzeugen, die durch die blauen Nummernschilder deutlich als ausländisch markiert waren, in Menschenansammlungen entlang der Hauptstraße zu geraten. Nichts desto trotz blieben uns einige Feuerbarrikaden von enthusiastischen Jugendlichen nicht erspart, aber da die Libyer fuhren, konnten wir passieren. Wahrscheinlich dachten die Jungs neben den brennenden Autoreifen, dass wir von den Fahrern entführt worden waren. Das konnte uns aber nur recht sein, da es uns eine sichere Durchfahrt garantierte.

Als wir gegen 20:00 Uhr bei dem Haus von Armins Familie ankamen, versteckten wir die Fahrzeuge auf dem Hof und sammelten uns erste einmal im Haus. Nachdem wir etwas zur Ruhe gekommen waren, machten wir uns ein Bild über die Lage Libyens mithilfe des Fernsehens in Form von Sender Al Jazeera und bekamen mit, dass insbesondere in Benghazi und Al Beida starke Unruhen und Militäreinsätze sich ereignet hatten.

Nun fingen wir an, an unseren Plänen zu schmieden.

Fortsetzung folgt…

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C
<br /> Da bin ich ja auch mal erleichert. Falls du die Filmrechte verkaufen willst, kannst du mich als Agent engagieren.<br /> <br /> Echt krasse Geschichte.<br /> <br /> <br />
Antworten
M
<br /> <br /> Solange Heiner Lauterbach nicht die Hauptrolle kriegt, lass ich mit mir reden ;-)<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> ... da kann ich Heinzer nur zustimmen ... urrrgs!<br /> <br /> <br />
Antworten
H
<br /> Oh man...krass...zum Glück weiß ich ja,das du wieder zu hause bist..das echt schon heftig!!<br /> <br /> <br />
Antworten
M
<br /> <br /> Ja, wenn ich das so aufschreibe kommt mir das eher wie ein Film vor ;-)<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />