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Kurze Erlebnisberichte über meinen Aufenthalt in Libyen und jetzt auch Albanien

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Lage der Nation V

Vorgänger

 

Lage der Nation IV

 

 

{Sollte ein Leser empfinden, dass ich im Folgenden zu humoristisch mit der aktuellen Realität in Libyen umgehe, bitte ich zu bedenken, dass Menschen unterschiedlich Erlebtes verarbeiten.}

LdN V-01 - kleinAm nächsten Morgen frühstückten wir erst einmal ausgiebig und nachdem wir unsere Metallesel wieder aufgetankt hatten, machten wir uns gegen 8:00 Uhr auf unsere Reise nach Tripoli. Nach den bisher absolvierten 850 Kilometern durch den unruhigen Osten freuten wir uns nahezu auf die vor uns liegenden 450 Kilometer durch den ruhigeren Westen des Landes. Und so war es dann auch hauptsächlich. Wir fuhren über schnurrgrade nicht enden wollenden Straßen, die nahezu Verkehr und Menschenleer waren. Wenn uns mal ein Fahrzeug begegnete, war es ein einheimischer Pendler, aber garantiert kein ausländischer Wagen mit blauem Nummernschild. Uns konnte das nur recht sein, jeder der uns nicht aufhalten wollte und zuhause blieb, war uns willkommen. Die ersten Straßenkontrollen hielten uns erst nach ca. 250 Kilometer Fahrt vor den Toren der Stadt Bani Walid an. Sich mehrfach entschuldigend wurde unser Gepäck ein weiteres Mal durchsucht und unsere Ausweise vorgezeigt. Da für unseren Österreichischen Kollegen Rene sich der Kreis schloss, da er vor Jahrzehnten in Bani Walid seine ersten Libyenerfahrungen gestartet hatte, kam es zu einem Pläuschen zwischen ihm und dem Wachhabenden, zu dem wir übrigen sechs und gespannt dazugesellten. Dieses Drängen um den Wachhabenden machte dann aber seinen Vorgesetzen nervös, da dieser das Thema nicht mitbekommen hatte und anscheinend vermutete, wir wollen seinen besten Mann beschwatzen oder in die Mangel nehmen. Deshalb kam er schnurstracks zu uns rüber marschiert und forderte uns auf sofort weiterzufahren, da wir ja schon kontrolliert waren und hier nichts mehr verloren hatten. Recht hatte er Reisende soll man nicht aufhalten. Das sah der Kontrollposten am Ausgang von Bani Walid, aber ganz anders.

 

Obwohl uns die ersten vier Gesichter mit unseren Ausweisen zufrieden waren, hatte der fünfte in der Reihe das dringende Bedürfnis uns doch noch einmal richtig auf den Zahn zu fühlen. Somit mussten wir wieder an den Straßenrand fahren und durften noch einmal die intensivste Kontrolle unserer Reise über uns ergehen lassen. Alle raus, jedes Gepäckstück durchsucht, Laptops öffnen und anschalten, alle Handys abgeben, damit sie separat geprüft werden können, alle Pässe abgeben, inklusive langer Diskussion über den geklauten Pass von Schumi und alles vorhergenannte mindestens in doppelter Ausfertigung, da etwas die Koordination der Kontrolle abhanden gekommen war oder die Kollegen sich nicht gegenseitig trauten. Nachdem wir alles zurückbekommen, eingesammelt und verpackt hatten, war dann auch knapp eine Stunde vergangen. Wieder einmal kam mir der Gedanke, ob uns ein DIN-A0-Aufkleber vom Führer, wie er in Sirte an fast jedem Auto klebte, uns weitergeholfen oder eher zur Zielscheibe gemacht hätte. Durch den Nichtbesitzt eines solchen Aufklebers, erübrigte sich allerdings jegliche weitere Spekulation über den Nutzwert.

Trotz des Enthusiasmus der Bani Walidischen Ordnungshütern, lagen wir noch gut in der Zeit und auf den verbliebenen 200 Kilometern gab es nur noch wenige Kontrollen und das Leben auf den Straßen begann wieder seinen Alltag zu verrichten. Sehr vorteilhaft war der Umstand, dass unser anvisiertes Baucamp außerhalb von Tripolis und keine 15 Minuten vom Flughafen entfernt lag. Somit mussten wir nicht in die Stadt direkt und wurden im Laufe des Tages und Abend über die ansteigende Anspannung durch das Fernsehen und Telefonate informiert. Gegen 13:00 Uhr erreichten wir unser Ziel und wurden herzlich empfangen. Nachdem wir uns verpflegt hatten wurde die Lage neu sondiert und es kristallisiert sich schnell heraus, dass nur die sofortige Ausreise aus Libyen sinnvoll wäre. So wurde also versucht per Telefon und Internet, die beide immer schlechter zur Verfügung standen, abwechselnd mit dem Flughafen, der Fluggesellschaft  oder den Botschaften einen möglichen Flug zu organisieren. Zum wirklichen Erfolg führte dies jedoch nicht und als wir gegen Abend noch keinen sicheres Flugticket für einen von uns in der Hand hielten, war klar, dass wir am nächsten Tag den Flughafen besetzen würden, bis wir ihn in die richtige Richtung verlassen könnten.

 

Als letzte Amtshandlung folgte nach dem Abendbrot und vor dem Schlafengehen noch eine runde UNO, die trotz der Anspannung alle etwas aufgelockert oder zu mindestens für eine gewisse Zeit auf andere Gedanken gebracht hatte.

 

Nach einer ruhigen und längeren Nacht als zuvor, brachen wir in Form von drei Österreichern und zwei Deutschen am Vormittag zum Flughafen auf um einen Platz in den Linienflügen zu ergattern. Wie erwartet war der Flughafen überfüllt und es gab Zig-Meter lange Schlangen an den beiden Eingangstüren, die sich aus  Menschen aus den verschiedensten Teilen der Erde zusammensetzten. Multikulti wäre in diesem Gewühl noch untertrieben. Somit stellten wir uns brav an und für mich war es das erste Mal, dass jemand bei der ersten Gepäckkontrolle am Eingang, überhaupt auf den Bildschirm des Scanners schaute. Sonst war der Stuhl entweder frei gewesen oder ein etwas schläfrig wirkender Beamter hatte in eine ganz andere Richtung gestarrt.

Noch bevor wir mit unserem Gepäck im Flughafengebäude waren, gingen zwei von unseren Kollegen vor um sich an den Ticketschalter ihr Glück zu versuchen. Die ernüchternden Rückmeldungen und Aussagen am Schalter gaben anfangs nur Preis, dass alle Flüge an diesem Tag ausgebucht warten und das Computersystem kontinuierlich abstürzte oder kein Internet hatte, um Flüge für die nächsten Tage zu prüfen. Der größte Erfolg wurde nach einigen Stunden für Thore und mich errungen, als wir eine handgeschriebene Reservierung für eine Flugverbindung über London bekamen. Einziger Nachteil daran war, dass dieser erst in zwei Tagen abflog. Wir nahmen den Zettel als Notnagel hin, aber blieben bei unserem Plan noch an diesem Tag das Land zu verlassen. Sicher war, dass es mindestens ein Linienflug nach Österreich und einen nach Deutschland gab und da wir von beiden Nationalitäten etwas dabei hatten, hielten wir unsere Chancen noch nicht für aussichtslos. Insbesondere da wir gehört hatten, dass am Vortag der Flug nach Österreich halb voll oder halb leer (das bleibt noch auszudiskutieren) abgeflogen war. In einen ähnlichen Umstand setzten wir auch unsere Hoffnungen und als das Check-In für Wien kurz vor dem Ende stand. Machte unser österreichischer Kollege Eibert auf in die Flut von Wartenden um uns möglich leere Plätze zu ergattern. Am Ticketschalter bekam er die Antwort direkt am Gepäckannahmeschalter sein Glück zu probieren, sofern er dort mit Karte zahlen könnte. Daraufhin holte Eibert uns aus dem Dornröschenschlaf der Wartenden ab und wir schlugen uns zum Gepäckannahmeschalter der Austrian Airline durch. Wie das Glück es so wollte traf Eibert während diesem Bad in der Menge sogar noch einen Bekannten, der uns tatkräftig am Schalter unterstützte und helfen konnte. Am Ende von mehreren Stunden Hoffen und Harren hielt Eibert fünf Tickets in der Hand und wir durften unsere Koffer abgeben. Die Freude strahlt uns aus den Gesichtern und wir machten uns auf den Weg zum Flugzeug. Die letzten Pass und Gepäckkontrollen konnten wir schnell hinter uns lassen und als wir uns in die Sitze fallen ließen, viel neben Staub auch ein großer Teil der Anspannung von uns ab.

 

Als das Flugzeug abhob waren zwar immer noch Plätze frei, aber es handelte sich nicht mehr um einen halb leeren (oder vollen)  Flug. Leider hatte eine Gruppe von Deutschen, die wir am Eingang zum Flughafen getroffen hatten, es nicht geschafft mit an Bord zu kommen. Ob es an der fehlenden Eigeninitiative, mangelnder Koordination des Flughafenpersonals oder dem fehlenden Quäntchen Glück  gelegen hat möchte ich nicht anmaßen zu beurteilen.

 

Der Flug war ruhig und brachte uns nach Wien. Als wir endlich europäischen Boden unter den Füßen hatten, war das Aufatmen auch der Familien groß, als wir sie endlich wieder telefonisch erreichten konnten. Auf der Suche nach unserem Gepäck trieben wir dann in eine Scharr von Journalisten die Begierig nach Neuigkeiten einen umstellten. Da unsere Österreichischen Kollegen keinen übergroßen Wert darauf legten sich mit der Presse zu unterhalten, begnügten sich die Reporter mit uns Deutschen mit den Worten „Sind Sie Österreicher?“ ich „Nein ich bin Deutscher!“ „Egal, wenigstens sprechen Sie deutsch, das reicht schon!“. Thore und ich gaben ein paar Statements ab, wobei die von Thore in den Folgetagen auch in den Fernseh- und Printmedien zu sehen waren. Meine wurde mindestens deswegen nicht genommen, weil ich das Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht bekam. Denn hinter den Reportern hatte einer meiner österreichischen Kollegen (diesmal nenne ich auch nicht sein Pseudonym) schwer mit seiner Blase zu kämpfen und trat nur von einem Bein auf das andere und wies alle Reporteranfragen ab. Er hatte sich ein bis zweihundert Bier auf dem Flug genehmigt und meinte sinngemäß als er die Presse sah: „Ich kann mit denen jetzt nicht reden, ich bin betrunken und muss dringend aufs Klo!“. Einer der Fotografen bat mich deshalb auch etwas traurig oder mindestens ernster in sein Objektiv zu schauen. Ist mir aber nicht wirklich gelungen.

 

Nachdem das Interesse an uns abgeflaut war, mussten Thore und ich feststellen, dass das Gepäckband so leer wie unser Gepäckwagen war. Na egal wenigstens waren wir mitgekommen. Immerhin konnten unsere österreichischen Kollegen ihre geretteten Habseligkeiten in Empfang nehmen. Nachdem wir uns herzlichst von einander verabschiedet hatten, geleitete und führte uns Eibert noch zielsicher durch den Wiener Flughafen und so konnten Thore und ich auch gleich noch einen Anschlussflug nach Hamburg ergattern.

 

Gegen 20:30 konnte ich dann am Flughafen meine Familie in die Arme schließen und wir waren alle heilfroh wieder beisammen zu sein.

 

Mein besonderer Dank auf dieser Tour gilt Thore, der uns durch Libyen geführt hat und Eibert der uns aus Libyen gebracht hat. Mit Blick auf die aktuelle Situation im Land haben wir genau das Richtige getan und hatten das Glück auf unserer Seite.

 

Mein/Unser Happy End.

 

Meine Gedanken und Sorgen sind bei all den Menschen, die ich in Libyen kenne und die sich noch im Land befinden.  Ich hoffe, dass ihnen das Glück genauso hold ist, ihnen nichts passiert und die Situation in Libyen sich möglichst schnell und unblutig wieder beruhigt.

 

 

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H
<br /> Hallo Marc,<br /> <br /> Zu aller erst bin ich heilfroh das dies mit eurem Anschlußflug funktioniert hat. Danach bedanke ich mich für die realgetreu und respektvolle ( vor allem den Lybiern gegenüber ) Berichterstattung.<br /> Zu Guter letzt hätte ich doch mit der reporterin sprechen sollen - natürlich nur für Ihre Handynummer im Gegenzug.<br /> Also dann bis nächstes mal - :-)))))))))))))))<br /> <br /> <br />
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M
<br /> <br /> Ja, dass hättest du machen sollen und müssen! Ich sage nur "Wieso kommst du jetzt schon?" ;-)<br /> <br /> <br /> <br />
I
<br /> Ganz schön bewegend!!! Danke für die (fast) Live-Berichterstattung! :)<br /> <br /> <br />
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M
<br /> <br /> Gern geschehen. Jederzeit wieder, allerdings hoffe ich, dass es nicht so schnell wieder so turbulent wird ;-)<br /> <br /> <br /> <br />
J
<br /> Danke für deine GEschichte...also bin echt froh das du wieder da bist...<br /> <br /> Gruß Jan<br /> <br /> <br />
Antworten
M
<br /> <br /> Wie pflegen die Österreicher zu sagen: "Bitte, gerne" ;-)<br /> <br /> <br /> Gruß zurück Marc<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> Sehr schön...dank der modernen Technik sitzt das Schwesterherz grad tränenüberströmt im Bus ;-)<br /> <br /> <br />
Antworten
M
<br /> <br /> Technik die begeistert!<br /> <br /> <br /> Aber so schlimm können die Ansagen des Busfahrers doch gar nicht sein ;-)<br /> <br /> <br /> <br />