Kurze Erlebnisberichte über meinen Aufenthalt in Libyen und jetzt auch Albanien
Heute betrachten wir das Fahrgeschäft „Scheck einlösen“ mal etwas genauer.
Die Ausgangslage ist gar nicht mal so schwierig. Unsere Firma besitzt ein Konto bei einer Bank in Tripolis und nun möchten wir einen Scheck, der in Tripolis ausgestellt wurde, in der Bankfiliale in Dernah einlösen. Klingt überschaubar und ist in Deutschland je nach Betrieb in der Bank eine Angelegenheit von ca. 5 bis 15 Minuten.
Runde 1
Beim Eintritt in die Bank wurde eines sofort klar: wir sind nicht die einzigen, die ein Anliegen haben. Brechend voll zeigte sich die Wartehalle die in Marmor gehalten war und deutlich pompöser wirkte als die Arbeitsplätze, die sich an die Wartehalle anschlossen. Es gab fünf offene Schalter, die an einem langen Tresen nebeneinander lagen und die für die allgemeine Information und Bedingung zuständig waren und daneben lagen fünf geschlossene Schalter, hinter deren Glasscheiben die Auszahlungen des Geldes vorbereitet und durchgeführt wurden.
Das Gebäude hatte noch zwei weitere Stockwerke, wobei die Wartehalle die komplette Gebäudehöhe als Deckenhöhe besaß. In der Halle standen Aluminiumbänke mit einzelnen Sitzen, wie man sie aus Flughäfen oder Bahnhöfen kennt. Bis auf die notwendigen Gehwege vom Eingang bis zu den Schaltern war jeder verfügbare Platz mit diesen Bänken gespickt. Wie erwähnt waren fast alle Sitze belegt und ca. 130 Kunden waren, in froher Erwartung in Kürze bedient zu werden, in Gespräche vertieft. Es herrschte eine enorme Grundakustik im Raum, die durch die ansonsten eher spärliche Wanddekoration auch wunderbar reflektiert wurde. Wäre man alleine in der Halle gewesen, hätte man bestimmt wunderbar mit seinem Echo spielen können.
Am Eingang staute sich eine Warteschlange auf, die zum Glück nicht bis zu den Bankschaltern ging, sondern nur bis zu dem Nummernautomaten, der den Einstieg in das neue Kundenbearbeitung-System der Bank darstellte. Zu diesem neuem Zeitalter gehörten anscheinend auch die Sitzbänke, denn noch vor einem Monat gab es diese noch nicht. Wenn man sich „damals“ am Auszahlungsschalter befand, presste sich, während man grade sein Geld in die Hände bekam, eine Traube von Menschen gegen einen, um den Kassierer deutlich zu machen, dass ihr Anliegen Priorität besaß.
Um diesen Körperkontakt zu minimieren konnte man sich nun eine Nummer zum Warten ziehen, wie wir es von Ämtern oder der IKEA Reklamationsabteilung kennen. Diese leuchtete dann über den Schaltern auf und wurde gleichzeitig von einer maschinellen Frauenstimme angesagt. Als Unterstützung für die Eingewöhnungsphase saß sogar ein Kundenberater neben dem Automaten, um hilflosen Bankbesuchern, den richtigen Knopf zu zeigen oder ihn für diese zu drücken. Ich bin überzeugt davon, dass hier ein Mensch den Job bis zur Rente gefunden hat. Selbst wenn alle Kunden der Bank die Funktion des Automaten begreifen und beherrschen würden, so kann ich mir nicht vorstellen, dass deshalb die Funktion von Herrn Quietsch einfach so wegrationalisiert wird. Das macht dieses Land sehr sympathisch, denn hier können Mensch und Maschine noch unproblematisch zusammen dieselbe Arbeit verrichten, ohne dass der Mensch abgeschafft wird. Der Name Quietsch ist auf die Eingangstür zurückzuführen, neben der Herr Quietsch saß. Diese machte bei jeder Bewegung ein so gequältes quietschendes Geräusch, dass man freiwillig die Bremsflüssigkeit seines Autos opfern würde, um es zum Schweigen zu bringen. Keine Ahnung was für übermenschliche Fähigkeiten in Herr Quietsch ruhen, dass er diese akustische Tortur über Stunden aushalten konnte. Mir ging es schon nach etwa 2 Minuten auf den Wecker.
Bei Herrn Qietschie begann auch schon das erste Problem, das Programm steckte wohl noch in einigen Kinderkrankheiten, denn das System hatte sich kurz vor unserem Eintritt aufgehängt. Es konnten weder die Nummern über den Schaltern geändert oder angesagt, noch neue Nummer gezogen werden. So etwas hatte logischer Weise einen kompletten Stillstand der Banktätigkeiten zur Folge, da sich natürlich niemand der Angestellten erinnern konnte, wie das noch vor einem Monat ohne Nummern mit den Kunden funktioniert hatte. Ich möchte nicht ausschließen, dass auch die, denen nur noch das Geld bar durch die Glasscheibe gereicht werden musste, ebenfalls wie im Dornröschenschlaf ausharrten.
Gut, den Ausfall der neuen Herzschrittmachers der Bank, sahen allerdings nur wir als ein Zeit kostendes Problem an, denn die Menge war nicht besonders aufgebracht oder schlecht gelaunt. Es ging eher zu wie auf einem Familien Treffen oder auf dem Markt. Jeder kennt hier jeden oder man ist gleich miteinander verwandt, so dass sich fleißig begrüßt und gequatscht wurde. Einige schienen gar kein banktechnisches Anliegen zu haben, sondern nutzten diesen Ort des Kapitalismus, um einfach mal wieder unter Leute zu kommen.
So setzten wir uns auch erst einmal hin und warteten auf die Wiederinbetriebnahme des mechanischen Nummerngirls und Herrn Quietsch.
Die kurze Wartezeit möchte ich nutzen, um einmal die wichtigen Personen der Bank für unsere folgende Achterbahnfahrt zu benennen:
Die Managerin
Nette Frau, die um die Unzulänglichkeiten ihrer Mitarbeiter weiß, aber was soll sie machen. Ihr Büro liegt hinter den offenen Schaltern im Erdgeschoss.
Erster Assistent der Managerin – Herr Prüfer
Ein Mann Mitte Fünfzig, der im ersten Stock sein spärlich eingerichtetes Büro bewohnte und für die Prüfung der Kontodeckung via Computer zuständig ist.
Zweiter Assistent der Managerin – Herr Krause
Dieser Mann – Ende Vierzig - strahlte von Anfang an mit Hilfe seiner Körperhaltung und seinem Gesichtsausdruck eine schlechte Laune aus, die ihres gleichen suchte. Obwohl ich vermutete, dass die Halskrause, die er trägt, an der schlechten Laune schuld ist, konnte mir Mohammed, den wir als Übersetzer mitgenommen hatten, versichern, dass er diesen Mann, ob mit oder ohne Halskrause, nie anders erlebt hat. Sein Büro hinter den geschlossenen Schaltern zog er dem Laufweg hinter den offenen Schaltern vor und verrichtete dort seine verbitterten Runden.
Erster Beamter am offenen Schalter – Herr Strahler
Freundlicher Jungbeamter, der trotz des enormen Lärmpegels aus der Wartehalle und vor seinem Schalter, ein Lächeln präsentiert.
Zweiter Beamter am offenen Schalter – Herr Unbekannt
Den habe ich gar nicht mehr kennen gelernt, da ich mich ab den zweiten Tag der Achterbahnfahrt nicht mehr in der Gondel saß.
Beamter am geschlossenen Schalter – Herr Rückgrat
Resoluter Mitarbeiter Mitte Dreißig, der nur seinem Herzen und dem folgt und dem, was er selber gesehen hat.
Nachdem die automatische Frauenstimme wieder ihren Dienst aufgenommen hatte, zogen wir unsere erste Nummer und warteten geduldig die 45 Minuten, bis unsere Ziffern über einem der offenen Schalter erstrahlten. Durch die wartenden Masse hindurch getankt, erwartete uns Herr Strahler am Schalter, der unseren Scheck entgegen nahm. Wie üblich musste Thore vor den Augen von Herrn Strahler den Scheck auf der Rückseite unterschreiben und eine Kopie seines Passes, sowie seinen Reisepass abgeben. Herr Strahler verschwand dann mit den Unterlagen und als er wieder kam unterschrieb er den Scheck und bat uns bei Herrn Prüfer, die Kontodeckung bestätigen zu lassen. Daraufhin gingen wir zum Büro von Herrn Prüfer hoch und mussten feststellen, dass dieser nicht da war und auch kein Kollege für Fragen zur Verfügung stand. Als wir wieder nach unten kamen, erkannte Mohammed Herrn Prüfer wieder und konnte ihm unseren Scheck überreichen. Von Herrn Prüfer gab es keine Einwände, nachdem er seinen Rechner durchforstet hatte und er unterschrieb ebenfalls den Scheck.
Zurück bei Herrn Strahler erwarteten wir nun die Weiterleitung zu einem der Auszahlungsschalter, aber als Herr Strahler noch einmal mit Herrn Krause Rücksprache gehalten hatte, teilte er uns mit, dass mindestens noch eine Unterschrift auf dem Scheck fehlt und ohne diese bekommen wir kein Geld. Ah ha. Das Missverständnis das vor uns lag war eigentlich ganz einfach und stellte sich folgendermaßen dar:
Auf das Konto sind drei Personen im Bankrechner eingetragen und haben ihre Unterschriften hinterlegt, wobei alle drei unterschriftsgleichberechtigt sind, so dass eine Unterschrift für die Ausstellung und Auszahlung eines Schecks ausreicht.
Als wir auf diesen Umstand hinwiesen, gab Herr Krause zu verstehen, dass die Bank schon sehr kulant wäre, wenn sie sich mit nur zwei Unterschriften von unserer Firma zufrieden gäben und nicht alle drei verlangt. Nachdem Herr Krause den Scheck an Herrn Strahler zurück gab, strich dieser demonstrativ seine getätigte Unterschrift wieder durch, bevor wir das Papierstück zurück bekamen. Hmm… Sackgasse,
Etwas unzufrieden mit dem unerquicklichen Ergebnis kontaktierten wir unser Büro in Tripolis. Diese baten uns etwas zu warten, damit sie die Telefonnummer des Bearbeiters in der Hauptfiliale in Tripolis besorgen und an uns weiter geben könnten. Denn so könnten sich die Fachleute einfach und schnell austauschen und das Problem wäre schnell aus der Welt.
Nach einer weiteren viertel Stunde Wartezeit, entschieden wir uns in unseren Büros auf den Rückruf zu warten und verließen ca. 2 ½ Stunden nachdem wir die Bank betreten hatten, diese durch dieselbe nicht geölte, nervige Tür.
Der Rückruf kam nachdem die Banköffnungszeit schon lange überschritten war und so konnten wir uns nun physisch und psychisch auf den Bankbesuch am nächsten Tag vorbereiten.
Runde 2
Neuer Tag neues Glück. Ich selber habe die weiteren Begebenheiten nicht persönlich mit miterlebt, aber sie wurden mir lebhaft von Thore und Mohammed erzählt. Somit bleib ich einfach in der Wir-Person.
Mit der Nummer des Ansprechpartners in der Hauptfiliale aus Tripolis bewaffnet, betraten wir die Bank und wurden von Herrn Quietsch freundlich begrüßet und erhielten auch gleich unsere Nummer. Wir warteten geduldig in der brummenden Menge und als wir dran waren, führte uns der Zufall wieder zu Herrn Strahler an den offenen Schalter. Stolz wollten wir jetzt den Bankfachmann aus Tripolis telefonisch erreichen und alle unsere Probleme bereinigen lassen, aber wir mussten feststellen, dass der Bankfachmann zur besten Arbeitszeit, sein Arbeitshandy leider nicht angeschaltet hatte. Mist! Trotz dieses Misserfolges nahm Herr Strahler unseren Scheck entgegen. Als ob es gestern nicht gegeben hätte, beriet dieser sich erneut mit Herrn Prüfer, der nochmals eine Kontrolle mit seinem Rechner durchführte und den Scheck als korrekt einstufte. Genial! Wir wurden gebeten einen neue Nummer bei Herrn Quietsch für die Auszahlungskassen zu ziehen und das taten wir auch ohne Umwege.
Als wir dann an der Reihe waren, gingen wir zum geschlossenen Schalter, über den unsere Nummer wie ein Heiligenschein schimmerte. Herr Rückgrat hinter der Glasscheibe begutachtete erst einmal das Stück Papier und bat Thore ein zweites Mal auf der Rückseite zu unterschreiben. Dann ging Herr Rückgrat nach hinten aus seiner Box, um mit Herrn Krause Rücksprache zu halten. Dieser zog wiederum Herrn Prüfer mit in die Beratung um unsere Zukunft. Einige Zeit später kam Herr Rückgrat zurück und verkündete, dass wir erst einmal warten müssten. Herr Krause wollte den Scheck nach Tripolis Faxen, um eine Bestätigung der Glaubwürdigkeit zu erhalten.
Eine gefühlte Ewigkeit später kehrte Herr Krause an die Glasscheibe zurück und behauptete, dass Tripolis diesen Scheck so nicht akzeptiert und da könnten Sie leider nichts machen. Den Nachfragen unsererseits, was den genau nicht akzeptiert würde, wich er aus. Im Hintergrund strich Herr Prüfer seine Unterschrift vom Vortag durch und so wurde das geschundene Unglücksblatt über Herrn Rückgrat wieder an uns übergeben.
Quasi wieder am Start der Jahrmarktsattraktion, riefen wir verzweifelt in unserem Büro in Tripolis an. Zum einen drückten wir unsere Enttäuschung über die Unerreichbarkeit des Sachbearbeiters in der Tripolier Bank aus und zum anderen erklärten wir nochmals unser Dilemma. Diesmal wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Da ja jeder jeden kennt, bekamen wir die Order zu warten, denn es würde sofort unser eigener Mitarbeiter Herr Helfer zur Bank geschickt, der über einen guten Kumpel veranlassen sollte, dass für unser Konto ein deutlicher Hinweis auf der Datenmaske des Bankcomputers eingetragen wird, dass eine Unterschrift ausreichend ist.
Auch dieses Mal entschieden wir die Wartezeit in unseren eigenen Büros zu verbringen, da die bereits verstrichenen 3 Stunden in der Bank uns ausgereicht hatten. Das stellte sich erneut als richtige Entscheidung heraus, da der Rückruf über die Bestätigung des Eintrages uns auch dieses Mal nach dem Ladenschluss erreichte.
Nun gut morgen war ja auch noch ein Tag.
Runde 3
Als wir die Bank mit dem bekannten Geräusch der Tür betraten, schaute uns Herr Quietsch erstaunt und ungläubig an. Das war ihm wohl auch noch nicht passiert, dass ein und derselbe Kunde drei Tage in Folge zu Besuch kam. Mit einem besonders freundlichen Lächeln bekamen wir unsere Nummer des Tages.
Dieses Mal war die Wartehalle nicht ganz so voll und so kamen wir recht zügig an die Reihe und gaben Herrn Unbekannt bei den offenen Schaltern das Objekt unserer Sorgen in die Hände. Wir erklärten ihm die Umstände der letzten Tage und baten um eine erneute Prüfung im Computer. Anstandslos schnappte sich Herr Unbekannt seinen Vorgesetzten und Herrn Prüfer, der grade des Weges kam und alle drei zusammen belagerten den Computer. Was auch immer sie da gesehen hatten, überzeugte sie und so unterschrieb erst der Vorgesetzte von Herrn Unbekannt und dann ebenfalls Herr Unbekannt auf dem Scheck. Als Herr Unbekannt grade auf dem Weg war uns den Scheck für die Auszahlung zu überreichen, stolperte er über Herrn Krause oder umgekehrt. Egal wie Herr Krause noch ins Spiel kam, er hatte auf jeden Fall auch eine Meinung zu dem Thema.
Er kam mit zu uns an den offenen Tresen und hatte das dringende Bedürfnis laut zu werden. So brüllt er durch den Saal, dass er so einen Wisch mit fünf Unterschriften, von denen ja zwei auch noch durchgestrichen waren, noch nie gesehen hätte und nicht akzeptieren würde. Unser Mohammed hielt tapfer dagegen und stellt fest, dass die Verunstaltung des Schecks durch die Bankangestellten ja wohl außerhalb unserer Kontrolle lag und dementsprechend auch nicht uns angelastet werden könnte. Eigentlich schlüssiges Argument, aber nicht für Herrn Krause. Mit hochrotem Kopf und noch erhobener Stimme gab er uns den Scheck zurück und empfahl sich.
Diesen Nullpunkt wollten wir nicht hinnehmen und so blieben wir hartnäckig und gingen wieder zu Herrn Prüfer in den ersten Stock. Selbiger wirkte ebenfalls gereizt, sowohl durch die Idiotie seines Kollegen Herrn Krause, als auch durch die Tatsache, dass wir nicht einfach aufgaben. Er stellt dann auch nur schnell fest, dass doch alles in Ordnung ist und wir einfach noch einmal mit Herrn Krause reden sollten. Er selber hatte leider nicht genug Zeit uns zu begleiten und verwies uns aus seinem Büro.
Auf dem Weg nach unten war uns schon klar, dass eine weitere Debattierrunde mit Herrn Krause keinen großen Erfolg in Aussicht stellte und so kontaktieren wir wiederum unser Büro in Tripolis. Wir berichteten Herrn Helfer, dass es nicht so richtig rund lief und wir einen Anruf oder ein Fax aus der Tripolier Bank benötigen, damit sich hier doch noch etwas bewegen würde. Um eine Telefon oder Faxnummer der Derna Bank zu bekommen, hielten wir es für das Beste uns an Herrn Prüfer zu wenden und nicht an Herrn Kause.
Wieder beim Büro von Herrn Prüfer angekommen, bat uns Herr Helfer, der immer noch am Apparat war, das Gespräch mit Herrn Prüfer direkt zu führen. Im Glauben einer guten Idee zu folgen, reichten wir das Handy weiter und mussten miterleben wie auch dieses Gespräch lauter wurde. Der Versuch von Herrn Helfer über die Autoritätsschiene zu fahren war gänzlich missglückt. Die Behauptung er wäre ja ein Professor des Bankenwesens, hatte auf Herrn Prüfer nicht den erwünschten Effekt des Einknickens gehabt, stattdessen stellte dieser auf Stur und schrie, dass Herr Helfer sonst wer sein könnte, aber hier in Derna würde nun mal er herrschen. Leider ein Punkt für Herrn Prüfer, aber die gnadenlose Übertreibung des Professortitels von Herrn Helfer brachte uns innerlich zum Lachen, insbesondere da wir Herrn Helfer persönlich kannten. Netter Kerl mit vielen Kontakten, aber Schulabschluss fraglich. Wie dem auch sein, das Resultat des Gespräches brachte Herr Prüfer auf den Punkt mit zwei Auswahlmöglichkeiten A) nach Tripolis zu fahren, um dort alles zu klären oder B) mit der Managerin im Erdgeschoß zu sprechen. Hmmm… das war natürlich eine schwierige Auswahl!! Besorgen wir uns schnell Flugticket fliegen die 1400 Km nach Tripolis oder gehen wir die 50 Meter nach unten zum Büro der Managerin.. grübel…grübel…
– Irgendwie erinnerte mich diese Auswahl an die bekloppten Antworten, die man vor der Werbepause von den sogenannten TV-Events aufs Auge gedrückt bekommt:
Womit verdient Dieter Bohlen sein Geld?
A) mit Musik
B) als Bomberpilot
Aus welchem Land kommen Menschen mit einer deutschen Nationalität?
A) Deutschland
B) Paraguay
Für die korrekte Beantwortung kriegt man dann auch noch 10.000 € als Anreiz oder Schmerzensgeld in Aussicht gestellt und es rufen genug über die teuren Hotlines an, sodass die Sender das Zig-Fache der Gewinnsumme in die eigenen Taschen stecken können. Wozu noch einen Banküberfall begehen, wenn die Menschen ihr Geld auch freiwillig vorbeibringen. –
Überraschender Weise entschieden wir uns für die Möglichkeit mit der Managerin zu sprechen und wurden natürlich nicht direkt zu ihr geleitet, sondern durften wie die letzten Bettler vor der gläsernen Zwischentür, die hinter die offenen Schalter führte, klopfen und warten. Als nahezu die gesamte Belegschaft auf der anderen Seite der Tür vorbeigeschlendert war, erbarmte sich der Vorgesetzte von Herrn Unbekannt und öffnete uns die Pforte zum Glück.
Die Managerin, in dessen Büro wir geführt wurden, fragte erst einmal nach, warum wir das denn nicht mit ihren Assistenten regelten. Als wir Ihr den Scheck mit den Unmengen an Unterschriften zeigten und von unserer Odyssee mit ihren Assistenten berichteten, verdrehte sie die Augen, um zu sagen: Ihr braucht nicht weiter sprechen. Ich weiß, dass meine Assistenten Vollidioten sind. Gut angepestet von der Unzulänglichkeit ihrer Mitarbeiter ging die Managerin mit uns hinter die offenen Schalter zu Herrn Krause und stauchte diesen verbal zusammen. Dann zwang sie Herrn Krause unseren Scheck zu unterschreiben und ordnete zu unserer Freude die sofortige Auszahlung an. Um nicht noch mehr Unannehmlichkeiten zu haben, wurden wir dann direkt von Herrn Krause, dessen Halskrause durch die unterdrückte Wut zu platzen drohte, hinter die geschlossenen Schalter in sein Büro geführt und die Managerin verschwand wieder in ihr Büro.
Herr Krause öffnete sodann die Tür vom ersten geschlossenen Schalter und dort war auch unser alter Bekannter Herr Rückgrat noch bei der Arbeit. Er nahm den Lappen entgegen, der vermutlich mehr Unterschriften auf sich trug, als so mancher Deutscher Volksentscheid sich erhoffen kann und studiert diesen. Dann setzte er uns in Kenntnis, dass er sich weigere diesen Scheck auszuzahlen, denn da wäre ja immer noch nur eine Unterschrift von unserer Firma drauf. Meine Herren, der Herr Rückgrat hat Eier in der Hose. Prinzipiell hat uns diese Aussage natürlich angekotzt, aber als unterstes Licht in der Bankhierarchie, die direkte Anweisung zur Auszahlung eines Schecks zu verweigern, der von allen, aber auch wirklich allen seinen Vorgesetzten unterschrieben war, dazu gehört schon eine Menge Selbstvertrauen.
Auch nicht glücklich über die Absage von Herrn Rückgrat, stieß Herr Krause die nächste Tür auf. Aber durch die dünnen Wände, die oben auch noch offen waren, hatte der Nachbar die Begründung von Herrn Rückgrat aufgesogen und weigerte sich ebenfalls. Und welch eine Überraschung der letzten Mitarbeiter, den Herr Krause in den verbliebenen drei geschlossenen Schalterräumen aufscheuchte, sah sich ebenfalls außerstande diesen Scheck auszuzahlen. Unglaublich!
Was nun, sprach das Huhn. In diesem Fall entschied sich das Huhn auf die Angriffstaktik umzuschwenken und so wurde Herr Krause uns gegenüber erneut laut. Wir hätten ja gehört, was Herr Rückgrat geäußert hat und außerdem hatte er ja auch, wie am Vortag schon erwähnt, von der Hauptfiliale aus Tripolis eine negative Bescheid zu unseren Scheck per Fax erhalten. Den wollten wir jetzt natürlich auch sehen, aber das ging irgendwie nicht. Herr Krause wurde unruhig und dampfte ab mit der gemotzten Information, dass er jetzt zur Sicherheit in Tripolis anrufe, um ein weiteres Fax zu erhalten. Wohl wissend, dass der Spinner am vorherigen Tag faxtechnisch aber auch gar nichts unternommen hatte, nahmen wir in seinem Büro Platz und durften endlich wieder lange warten.
Ohne wirklich noch daran geglaubt zu haben, kam Herr Krause aus dem Raum-Zeit-Kontinuum mit einem Fax aus Tripolis zurück. Dieses zeigte er erst uns und dann Herrn Rückgrat. Lustiger Weise stand auf dem Fax lediglich, dass die Unterschrift auf dem Scheck, eine dem Konto hinterlegten Unterschrift entsprach, aber es wurde mit keinem Wort erwähnt, wie viele Unterschriften für die Auszahlung notwendig sind. Nichts desto trotz, akzeptierte Herr Rückgrat dieses Schreiben und vollzog die Auszahlung. Juhuuuuuuuuuuuuuu.
Nach diesen 3 ½ aufreibenden Stunden hätten wir fast Herrn Quietsch vor Freude auf die Wange geküsst, aber wir waren körperlich doch zu erschöpft. Als die Sonne uns vor der Tür, die noch ein letztes Mal nur für uns quietschte, empfing, konnten wir das alles noch gar nicht fassen und wir waren uns nicht sicher, ob es nur Schweiß war, der unseren Augen ein feuchtes Gefühl verlieh.
Das Erlebnisparadies Libysche Bank ist ihr Geld wirklich wert und zu empfehlen. Mir fallen abschließen die Refrain-Zeilen eines Liedes der Gruppe „Totales Chaos“ ein, die da lauten:
„Oh, du wundervolle Welt,
du Welt voller Wunder,
oft wunder ich mich,
oft wunder ich mich!“