Wednesday, 30. november 2011
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05:00
Tja manchmal mach sogar ich meine Butze sauber. Allerdings meistens aus lebensnotwendigen
Zwängen (keine sauberen Teller mehr) oder durch fremdbestimmte Einflüssen. Für meine jetzige Gesamtreinigung der Wohnung ist der Besuch meines Chefs ausschlaggebend. Da will ja nicht unbedingt sein reales Verhältnis zur Sauberkeit präsentieren, sondern einen gewissen ordentlichen Eindruck vermitteln.
So und während ich da so fege und wische fällt mir doch dieser kleine
Besucher in die Hände. Ein Skorpion. Ok, er lässt sich vielleicht mit seiner Größe eines 12 Cent Stückes nicht mit den 20 Meter Riesen aus „Kampf der Titanen“ vergleichen, aber er gehört
jedenfalls dieselben Spezies an.
Ich fand ihn verheddert in einer Wollmaus, die von Spinnweben gebremst wurde unter einem
Heizkörper und ging erst davon aus, dass er schon das Zeitliche gesegnet hatte. Aber da lag ich falsch. Als ich ihn mit einem Stückpapier für das Foto platzieren wollt, streckte er mir zornig
seine Zangen entgegen und ich wich trotz der fast 30 cm Abstand (DIN A4 Blatt)erst einmal zurück.
Als der Überraschungseffekt abgeflaut war, beförderte ich Skorpi in ein Glas, dass ich mit
einem Deckel aus Alufolie mit Löchern verschloss. Da wird er auch mindestens solange bleiben, bis ich Ihn meinem Chef mit der Forderung nach Gefahrenzulage dargeboten habe.
;-)
Aber ganz ehrlich, mir war nach diesem Fund nicht mehr ganz wohl in der Wohnung und es
stieg eine Unbehaglichkeit in mir auf. Ich hatte bei jedem Kribbeln das Gefühl, als ob mir jetzt ein Skorpion in der Kleidung hängt. Auch nachdem die
gesamte Wohnung gesäubert und somit überprüft war, hielt eine leichte Paranoia Einzug in meine heile Albanien-Welt. So klopfe ich jetzt die Schuhe
aus, bevor ich sie anziehe und ohne Schuhe in der Wohnung, geht schon mal gar nicht.
Ich weiß ja auch, dass so etwas nicht Ewigkeiten anhält, aber so kurz nach einen Ereignis
sind die Reaktionen noch viel emotionaler. Nach dem Unfall in ICE-Unfall in Eschede war mein Bedürfnis besonders schnell mit der Deutschen Bahn zu reisen genauso groß, wie nach dem 11. September
in ein Flugzeug zu steigen. Aber der Mensch passt sich an, vergisst, stumpft und wägt immer wieder aufs Neue für sich ab und so fahre gelegentlich wieder Bahn und nach Libyen und Albanien bin ich
auch nicht zu Fuß gegangen.
Trotzdem hat Skorpi mein häusliches Wohlempfinden aus dem Gleichgewicht gebracht und da
kommt mir schon der Gedanke: „Hätte ich doch bloß nicht sauber gemacht!“. Dann würde der kleine Acht-Beiner noch immer unbemerkt im Fussel verfangen sein und ich würde mir keine Gedanken machen.
Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß oder wie war das noch!
Das wiederum ist im Grunde genommen natürlich Quatsch. Denn besser beim Aufräumen gefunden,
als mit ihm im Gesicht in der Nacht aufzuwachen.
Ich habe selbstverständlich das Internet nach meinem neuen Haustier befragt und die
sprechen, wenn ich da alles richtig verstanden habe, von einer seltenen Skorpion Art (Euscorpius beroni), deren Stich mit einer Biene oder Wespe zu vergleichen ist. Das hat mich wieder etwas
beruhigt und den Punkt Todesangst von meiner Paranoia-Liste streichen lassen, aber der Punkt Schuhe tragen bleibt drauf.